Geschichte


Namensgebung und Ursprung

Namensgebung

Das Wort „Blau“ stammt vom althochdeutschen "blao" für: schimmernd, glänzend.

Ursprung

Blau ist eine der kostbarsten Farben, denn um früher Blau herzustellen, waren kostbare Edelsteine nötig, die aufwendig zerrieben werden mussten. Man nannte diesen Edelstein "blauen Stein" („Lapis Lazuli“). Da es diesen Stein damals nur im Norden von Afghanistan in einer guten Qualität gab, waren die Menschen gezwungen, diesen Stein über das Meer nach Europa zu transportieren. Später nannte man die Farbe, die sich daraus herstellen ließ, „Ultramarin“(„übers Meer“).

Andere Farbstoffe zum Färben in Blau waren der aus Indien stammende "Indigo" und der etwas weniger intensiv färbende einheimische "Färberwaid".

Zur Herstellung des Farbstoffes wurden die Blätter des Färberwaids in Kübeln mit menschlichem Urin vergärt. Durch die Zugabe von Alkohol wurde der Gärungsprozess verstärkt. Da Alkohol aber teuer war, trank man viel, um den Alkohol im Urin anzureichern. Zum Färben der Stoffe wurden diese meist Sonntags für mindestens 12 Stunden in das Färbebad eingetaucht. Die blaue Farbe auf den Textilstücken ergab sich jedoch erst, wenn diese längere Zeit an die Luft gehängt wurden.

Immer wenn die Färbergesellen am Montag betrunken daneben lagen, um auf das Ergebnis zu warten, wusste jeder, dass blau gefärbt wurde, die Färber waren "blau" und machten "blau". Auch der Begriff "blauer Montag" findet hier seinen Ursprung.

Lapis Lazuli

Kunstgeschichte

Beispiele aus der Kunstgeschichte

Jahrhundertelang hatten sich die Maler vor allem darum bemüht, alles so realistisch wie möglich wiederzugeben oder darzustellen wie es in uns tätsächlich wirkt (Impressionismus).

Franz Marc, der Expressionist, sah das anders. Er malte auf seinem Gemälde ein blaues Pferd. Für ihn war Blau die Farbe der Träume und der Sehnsucht.

"Wir werden nicht mehr den Wald oder das Pferd malen, wie sie uns gefallen oder scheinen, sondern wie sie wirklich sind, wie sich der Wald oder das Pferd selbst fühlen, ihr absolutes Wesen, das hinter dem Schein lebt, den wir nur sehen... Wir müssen von nun an lernen, die Tiere und Pflanzen auf uns zu beziehen und unsere Beziehung zu ihnen in der Kunst darstellen."

(Marc 1912/13 in Partsch 1993)

Franz Marc
Das Blaue Pferd (1911)

Vincent van Gogh
Sternennacht (1889)

Kultur und Religion

Die Bedeutung in anderen Kulturen/Religionen

In orientalischen Ländern werden Türen und Fenster blau gestrichen, um auf diese Weise die guten Geister und Götter (die sich in den meisten Religionen im Himmel oder auf hohen Bergen jenseits der Wolken befinden) auf sich zu lenken.

Im alten Ägypten war Dunkelblau die Farbe des Wassers und damit auch der Lebensspendenden Nilgottheiten. Aufgrund ihrer Vorstellung, dass Blau eine wundersame Heilwirkung innewohnt, trugen die Ägypter blauen Schmuck. Bei besonderen festlichen Gelegenheiten trug der Pharao einen blauen Helm, um seine direkte Abstammung von den Göttern des Himmels zu dokumentieren.

Auch in China symbolisiert Blau die Mächte des Himmels und der Unsterblichkeit.

In Indien werden verschiedene Gottheiten mit blauem Kopf oder mit blauer Hautfarbe dargestellt. Ein in Blau gemalter Elefant gilt dort als das Zeichen für höchste Vergeistigung und göttliche Erleuchtung.

Indische Göttin Kali


Kennzeichen


Herstellung

Pigmente

  • Ägyptischblau ist das älteste, künstliche Blaupigment. Chemisch ist es ein Calcium-Kupfersilikat
  • Azurit auch Bergblau oder Azurblau ist eines der ältesten Blaupigmente. Das natürliche Mineralpigment ist ein Basisches-Kupfercarbonat
  • Berliner Blau, auch Preußischblau, auch Pariser Blau oder Turnbulls Blau, Miloriblau, das erste moderne synthetische Farbmittel, ist ein lichtechtes Pigment. Es ist ein sehr farbstarkes Dunkelblau. Preußischblau ist lichtecht aber instabil gegen Alkali.F.
  • Han-Blau, auch Chinesischblau oder Chinablau ist das blaue Pigment des chinesischen Altertums.
  • Indigo
  • Kalkblau
  • Kobaltblau, auch Thénards Blau, ist seit dem Altertum bekannt. Es ist das klassische Blau des chinesischen Porzellans.
  • Manganblau ist ein beeindruckend leuchtendes, kaltes Blau, nahe dem Prozess-Cyan. Manganblau ist leicht giftig. Es wurde im Labor zuerst 1907, technisch seit 1930 hergestellt. Zur Zeit gibt es keinen Anbieter mehr.
  • Das echte Ultramarinblau, ist ein Pigment, das durch feinstes Vermahlen von Lapislazuli gewonnen wird. Weit größere Bedeutung hat heute Ultramarinblau aus künstlich hergestellten schwefelhaltigem Aluminium-Silikat.
  • Vivianit (Eisenblau) ist ein als Pigment altertümliches, wenig farbstabiles Mineral.

Wandmalerei im Grab von Nebamum aus der 18. Dynastie (1567-1320) enthält Ägyptisch Blau

Chinesischen Porzellan in Thénards Blau

Vivianit

Zusammensetzung

Blau ist der Farbreiz, der wahrgenommen wird, wenn Licht mit einer spektralen Verteilung ins Auge fällt, bei dem das Maximum im Wellenlängenintervall zwischen 460 und 480 nm liegt.

Es gibt zwei blaue Grundfarben: Violettblau (B) und Cyanblau (C). Die Farbempfindung Violettblau entsteht durch ein Spektrum mit kurzwelligerem Anteil. Der Farbreiz des Cyanblau enthält einen mehr mittelwelliger Anteil.

Beispiele

Blau ist neben Rot bei den Deutschen die beliebteste Farbe. Daraus ergibt sich wohl auch ihre häufige Verwendung in der Werbung. Viele Unternehmen benutzen die Farbe in ihrem Firmensignet (z.B. Aral, Deutsche Bank, Levis, Charmin, Nivea).

Waschmittelfirmen suggerieren mit dem Blau Sauberkeit und Frische für weiße Wäsche, Getränkefirmen setzen die "blaue Wirkung" der erquickenden Flüssigkeiten ein, um Kühle und Leichtigkeit zu vermitteln.

Wirkung

Wenn wir an Blau denken, assoziieren wir diese Farbe meist mit dem Himmel und dem Meer, aber auch mit etwas Kaltem und Zurückgezogenem.

Wir empfinden Blau als beruhigend und wohltuend. Es strahlt Harmonie, Sympathie und Zufriedenheit aus. Außerdem fördert es die Konzentration und hält wach, was daran liegt, dass man heutzutage weiß, dass es im menschlichen Auge eine kleine Stelle gibt, die auf die blauen Wellen des Lichtes reagiert. Fällt viel blaues Licht darauf, erhält das Gehirn das Signal: Wach werden!

Blaues Licht hält uns gesund und befreit uns von trüben Gedanken. Es regt uns an zu träumen und Sehnsüchten nachzugehen. Die blaue Farbe ist die innere Farbe und die Farbe des Gemüts.

Assoziation

Assoziationen zu Blau

Positiv

Die Sympathie, die Harmonie, die Freundlichkeit, die Freundschaft, die Ferne, die Weite, die Unendlichkeit, die Treue, die Sehnsucht, die Entspannung, die Stille, die Klugheit, die Wissenschaft, die Genauigkeit, die Pünktlichkeit, die Konzentration, die Sportlichkeit, die Leistung, der Mut, die Ewigkeit, die Wahrheit, das Ideale

Negativ

Verschwiegenheit, manipulierend, unloyal, zurückgezogen, die Kälte, die Lüge

Sprichwörter

"Blauäugigkeit"

Die blaue Augenfarbe ist mit „unschuldig“ und „naiv“ verbunden. Wenn wir jemanden als "blauäugig" bezeichnen, meinen wir damit: unerfahren, harmlos, oder gutgläubig.

Dies liegt daran, dass Neugeborene zunächst immer blaue Augen haben.Bei der Geburt ist die Pigmentierung der Regenbogenhaut (Iris) noch nicht voll entwickelt. Die Farbe entwickelt sich erst nach einigen Monaten und die Ausgangsfarbe erst nach einem Jahr.


"Blauer Brief"

Der blaue Brief – nichts Gutes! Heutzutage steht der blaue Brief für keine gute Nachricht von der Schule, doch seinen Ursprung findet dieser Ausdruck im 18. Jahrhundert.

Damals wurde Papier noch aus Lumpen hergestellt und oft von Uniformen, die Preußisch-Blau waren, verwendet. Wenn Soldaten sich vom Militär verabschieden sollten, bekamen sie dieses Schreiben in einem auf diese Weise herstellten blauen Umschlag/Kuvert. Dies war für diese Leute eine schlechte Nachricht.


"Blaues Blut - der blaublütige Adel"

International ist die Redensart vom "blauen Blut" der Adligen.

Sie kommt aus dem Spanischen. Sangre Azul, blaues Blut, nahmen die aristokratischen Familien Kastiliens im Mittelalter für sich in Anspruch. Damit wollten sie betonen, dass sie rein spanischer Abkunft waren. Blässe war damals ein Zeichen von etwas adeligen, edlem. Bei weisser Haut scheinen die blauen Adern durch - den dunkelhäutigen und sonnengebräunten spanischen Bauern erschienen die Adern der Adligen, als wären sie mit "blauem Blut" gefüllt.




Anwendungsbeispiele

Blau in der Modewelt

Blau strahlt Zuverlässigkeit, Vertrauens- und Glaubwürdigkeit aus. Es zeigt Autorität und erweckt den Eindruck, dass man alles unter Kontrolle hat. Dennoch kann zu viel Blau auch langweilig und konservativ erscheinen.
Im alltäglichen Leben ist Blau eine ideale Kleidungsfarbe, die innere Gelassenheit und Zufriedenheit ausdrückt.

Dieser Farbton fällt nicht besonders auf, sein Träger möchte lieber unauffällig im Hintergrund bleiben.

Die dunkelsten Blautöne (Marine) strahlen am meisten Autorität aus. Die teuren Nobelautos der hohen Politiker sind meist tiefblau gehalten, ebenso wie die Anzüge ihrer Benutzer.

Blau in der Werbung

Blau wirkt auf die Menschen frisch, rein, sauber und hygienisch. Aber auch kühl und edel.

Deshalb werden viele Reinigungsprodukte Blau-Weiß gestaltet, um Frische beim Verbraucher zu erzeugen. Erfrischungsbonbons werden Blau verpackt, um Kühle zu vermitteln ("Wick-Blau": www.wick.de).

Eihaltige Teigwaren erscheinen durch umgebendes Blau orangegelber als sie sind, hier kommt der Komplementärkontrast zum Tragen.
Ein Beispiel für Cremes und Hautprodukte: Nivea. Rein und Sauber scheint dieses Produkt.

Wer Seriosität und Vertrauen wecken will, wie z.B. Banken und Versicherungen, wählt ebenfalls Blau. Nicht zuletzt weil Blau die beliebteste Farbe in Deutschland ist.