Geschichte
Namensgebung und Ursprung
Namensgebung
Die Farbe Rot erhielt in der Entwicklung der meisten Sprachen sehr früh ein eigenes Wort, gleich nach der sprachlichen Unterscheidung von „Hell“ und „Dunkel“. Das althochdeutsche Wort „rôt“ entwickelte sich aus dem germanischen „rauðaz“ und dem indogermanischen und bezeichnete die Farbgebung von Kupfer, Gold und anderen Metallen.
Ursprung
Die erste Farbe die Menschen wahrgenommen hatten war Rot, denn aus Wunden floss rotes Blut.
Rotes Blut
Die erste Farbe, mit der Menschen gemalt haben, war ebenfalls Rot: Ocker-Erde, rote, eisenhaltige Gesteinsbrocken, die zu Pulver verrieben und dann mit Wasser angemischt wurden. Damit versuchten die Menschen, ihren Waffen Glück bei der Jagd zu verleihen, das Rot des Ockers stand für das Blut ihrer Beutetiere.
Mit der Zeit fanden sich natürlich noch andere Möglichkeiten, rote Farbe herzustellen. Zum Beispiel mit der Krapp-Pflanze, einem stacheligen Verwandten des Waldmeisters. Der Krapp hat in seiner Wurzel einen roten Farbstoff. Damit wurden lange Zeit fast alle roten Kleider gefärbt.
Wer viel Geld hatte, konnte sich aber etwas besseres leisten: Das edelste Rot, ist das Spanisch-Rot. Es wird aus dem Blut der Koschenille-Schildläuse gewonnen. Diese Verwandten der Blattläuse leben auf Kakteen. Die Spanier hatten diese Läuse bei der Eroberung Südamerikas gefunden.
Jean FouquetDiptychon von Melun (1456). Die thronende Madonna mit dem Christuskind
Höhlenmalerei
Die Koschenilleschildlaus
Spanisch-Rot Gewonnen aus dem Blut der Koschenille-Schildläuse
Kunstgeschichte
Beispiele aus der Kunstgeschichte
Um einen mächtigen Herrscher wie den Papst zu erkennen, hatte man die Kleidung rot gefärbt, was dadurch noch schöner und kostbarer erschien.
Im Isenheimer Altar erscheint Christus mit einem zinnoberroten Mantel. Die Farbe Rot in Christus' Gewand verkörpert eine ganze Reihe von Symbolgehalten: Es ist die Farbe der Märtyrer und deren Blut, es demonstriert Macht und Herrschaft über Leben und Tod, aber auch Glaube, Erfüllung und Liebe. Das Gewand erinnert an eine lodernde Flamme und symbolisiert im Streben gegen den Himmel das Sinnbild des Göttlichen. Der Kopf von Christus ist von einem gelben Strahlenkranz umgeben: Christus ist der Erlöser der Finsternis und führt uns zum Licht. Noch heute werden an Pfingsten die Altäre in katholischen Kirchen rot geschmückt, als Farbe des heiligen Geistes.

Tiziano Vecellio Papst Paul III. mit seinen Enkeln Alessandro und Ottavio Farnese (1546)

Matthias GrünewaldAuferstehung Christi
Kultur und Religion
Die Bedeutung in anderen Kulturen/Religionen
- In Japan ist die Farbe Rot die Farbe der Frauen
- In China bedeutet Rot die Farbe des Glückes und Reichtum
Im alten Ägypten war Rot eine kostbare Farbe, mit der sich die Töchter der Pharaonen schmückten. Bei den Ägyptern kam das Schminken von Wangen, Lippen und Fingernägeln in Mode. Um ein wenig Purpurrot zu gewinnen, mussten Sklaven tausende von Purpurschnecken sammeln, zerstampfen und zu Sud zerkochen.
- Wer in Korea einen Namen in Rot schreibt, signalisiert damit, dass diese Person tot ist.
In China wird die Braut in einem roten Brautkleid und einer roten Sänfte zum Ort der Hochzeitsfeier getragen. Wenn ein Kind geboren wird, überbringen die Nachbarn dem glücklichen Paar rote Eier als Zeichen für Glück und Wohlergehen.

Chinesische Hochzeit
Kennzeichen
Herstellung
Pigmente
- Bei den anorganischen Pigmenten dominieren die verschiedenen Varianten von Eisenoxidrot, da Molybdatrot bleihaltig ist.
- Im organischen Bereich ist die Auswahl sehr groß. Neben Azo- und Küpenrots sind Chinacridone, DPP-Pigmente und Perylene wegen ihrer hohen Beständigkeiten von besonderer Bedeutung.
- Cadmiumrot und Chinacridone sind hochbeständige polyzyklische Pigmente, die in hochwertigen Lacken Verwendung finden.
- Chromrot
- Drachenblut
- roter Ocker
- Eisenmennige
- Indischrot
- Marsrot
- Tizianrot
- Zinnoberrot

Cadmiumrot

Roter Ocker

Zinnoberrot
Zusammensetzung
Rot ist eine Grundfarbe und wird wahrgenommen, wenn Licht mit einer spektralen Verteilung ins Auge fällt, dessen Maximum im Wellenlängenintervall oberhalb 600 nm liegt.
Rot kann in Richtung Blau oder Gelb tendieren, es kann heller oder dunkler sein.
Orangerot wird wahrgenommen, wenn nur der langwellige Bereich des Spektrums wirksam ist; Magentarot, wenn dazu noch ein kurzwelliger Anteil kommt.

Orangerot
Wirkung
Farbwirkung
Wenn wir an Rot denken, fällt uns die Flüssigkeit des Lebens ein, das Blut, was sehr eng mit dem Leben verknüpft ist. Rot bedeutet Energie und Wärme und ist daher als eine warme Farbe anzusehen.
Rot steht für Freude und Leidenschaft und ebenfalls für Liebe und Erotik. Aber Leidenschaft ist auch Aggression und Zorn, so etwa bei dem Begriff „rot sehen“ oder beim "roten Tuch". Das rote Tuch beim Stierkampf ist dabei die Reizfarbe des Menschen, den farbenblinden Stier selbst stört nur der Stierkämpfer. Traditionell wird allerdings das rote Tuch als Kampfmittel gesehen.
Gesteigert werden kann dieser psychologische Effekt noch durch die Kombination mit Schwarz, der Farbe des Todes. Der Zusammenhang von Rot und Aggression führte in der Antike dazu, dass der rote Planet mit dem Kriegsgott Mars assoziiert wurde.
Erröten kann ein Zeichen von Scham oder Verlegenheit sein, aber auch von Zorn. Unser seelisches System aktiviert bei Erregung die Blutversorgung. Die Verringerung des Blutdrucks führt zum Erblassen.

Stierkampf

Der Mars
Beispiele
Im Straßenverkehr signalisiert die Farbe Rot Gefahr. Rote Ampeln verbieten das Weiterfahren oder- gehen, rote Bremslichter und Alarmknöpfe sind ebenfalls Rot.
Auch im Tierreich wird Rot als Signalwirkung zur Arterkennung, bei der Balz oder als Warnfarbe eingesetzt.

Assoziation
Assoziationen zu Rot
Positiv
Das Glück, die Lebensfreude, die Energie, die Aktivität, die Liebe, die Sexualität, die Erotik, die Wollust, die Verführung, die Kraft, das Feuer, die Hitze, die Wärme, die Begierde, das Blut.
Negativ
Der Hass, die Wut, der Zorn, die Aufregung, die Aggressivität, das Laute, der Lärm, die Unmoral, die Gefahr, das Verbotene


Sprichwörter
"Roter Faden"
Unter einem „roten Faden“ versteht man einen leitenden und verbindenden Grundgedanken, also ein Leitmotiv, das sich als verbindendes Element durch ein Thema zieht.
Die Herkunft ist vermutlich militärischen Ursprungs: Damit abhanden gekommene Schiffstaue zu identifizieren waren, ließ die englische Marine darin einen roten Faden einflechten.

"Ich sehe ein rotes Tuch"
Wenn jemand gereizt oder verärgert ist, wird dies oft mit Rot symbolisiert.
Man denkt, bei einem Stierkampf würde der Stier mit einem roten Tuch aggressiv gemacht, doch es sind eher die schnellen Bewegungen des Tuches. Stiere sind farbenblind und können gar nicht erkennen, dass es sich um die Farbe Rot handelt. Ursprünglich war das Tuch weiß und wurde dann rot, da Blut dann weniger auffallend ist.

Anwendungsbeispiele
Rot in der Modewelt
Rot ist meist festlich, allerdings niemals leise und oft aufdringlich. Das reine, fast kalte Rot drückt Dominanz und Herrscherstreben aus, das warme Orangerot Leidenschaft bis Aggression.
Dunkle Typen wie auch blonde mit lebhaftem Temperament können rot gut tragen.
Rot gibt einen Energieschub und lässt müde Menschen wacher wirken. Rot zeigt Durchsetzungsvermögen und Dominanz.
Es zieht das andere Geschlecht an und sendet Impulse aus, die auch negative Spannungen hervorbringen können.

Rot in der Werbung
Rot ist kräftig, impulsiv und wird mit Gesundheit assoziiert.
Rot reizt den Appetit und wird im Verpackungsdesign für süße, aber auch scharfe und würzige Produkte eingesetzt.
Eins der bekanntesten Produkte auf der Welt ist unauslöschlich verknüpft mit der Farbe Rot: Coca Cola.

