HSB-Farbkreis
In dieser Übung stellen Sie einen Farbkreis des HSB-Farbmodells zusammen, bei dem die Sättigung (S) und die Helligkeit (B) bei jeweils 75% konstant bleiben.
Der HSB-Farbkreis gleicher Helligkeit (B) bietet für unser Auge keine gleichbleibende Helligkeit.
(Vgl. die Farbkreise nach CIEL*a*b* L fix, CIEL*a*b* L variabel, NCS, Munsell)
Das HSB-Farbmodell
Das HSB-Farbmodell (auch HSL, HSV) ist in die Farbauswahl vieler Softwareprodukte eingebaut. Es ermöglicht beispielsweise in der Adobe Creative Suite, der Corel Graphics Suite und in vielen anderen Softwareprodukten, auch solchen aus dem Freewarebereich, eine intuitive Farbwahl mit drei Farbwerten nach dem Modell "Basisfarbe" (Buntart/Hue, H), "Sättigung" (Saturation), "Helligkeit" (Lightness/Brightness, L).
HSB resultiert aus einer einfachen Umrechnung der RGB-Farbwerte in sog. "Polarkoordinaten". Man muss sich den RGB-Farbraum als auf die Spitze gekippten Würfel vorstellen, in dem Schwarz unten und Weiß oben liegt. Dazwischen, in der Mittelsenkrechten, befindet sich die Grauachse. Der Abschnitt hierauf gibt die Helligkeit an, die Entfernung von der Grauachse die Sättigung und der Winkel im Basisfarbkreis die Basisfarbe.
Hierin liegt ein Vorteil und ein Nachteil zugleich:
- HSB-Farben sind recht einfach zu programmieren.
- HSB-Farben bilden aufgrund ihrer RGB-Basis einen Farbraum, der unserem Farbempfinden nur wenig gerecht wird. Das bedeutet beispielsweise: Kleine Wertveränderungen haben im Pastellbereich starke Farbabweichungen zur Folge, während man in dunklen Bereichen auch bei größeren Werteveränderungen kaum Farbveränderung wahrnimmt.
HSB und CIEL*a*b*
Die mangelnde Empfindungsmäßigkeit des HSB-Modells wird auch in der Farbkreis-Übung deutlich. Es fällt an vielen Stellen schwer, die Unterschiede der Farbfelder zu erkennen und korrekt einzusortieren, während die Unterschiedlichkeit benachbarter Felder in anderen Bereichen sehr groß ausfällt. So ist z.B. der Gelbbereich viel zu klein. Man hat bei mehreren Farben auch den Eindruck, dass ihre Helligkeit nicht passt.
Das CIEL*a*b* Modell, dessen Farbkreis in einer anderen Übung zusammengestellt wird, entspricht unserem Empfinden besser, er verläuft gleichmäßiger und insgesamt angenehmer.
HSB- und CIEL*a*b*-Farbkreis mit im jeweiligen Modell gleichbleibender Helligkeit und Sättigung. Bei CIEL*a*b* gelingt dies weitaus besser.
Der RGB-Farbraum im CIEL*a*b*-Farbmodell, Ansicht von oben. Die R/G/B-Abstände sind jeweils 15 Einheiten. Die RGB-Würfelform ist in CIEL*a*b* verzerrt. Die Grauachse befindet sich auf dem a*/b*-Nullpunkt.
Der HSB-Farbraum im CIEL*a*b*-Farbmodell. Die H/S/B-Abstände sind jeweils 10 Einheiten. Der RGB-Würfel aus obigem Screenhot ist noch erkennbar. Es zeigt sich, wie sehr das RGB- und das daraus abgeleitete HSB-Modell unsere Wahrnehmung verzerren: Farbkreise werden sechseckig, es klaffen große Lücken usw.
Von der Seite gesehen, wird die mangelnde Eignung des HSB-Modells zur intuitiven Farbauswahl besonders deutlich: Ebenen derselben Helligkeit B fallen in CIEL*a*b* im Blaubereich stark ab. Mit anderen Worten: Blaue HSB-Farben sind zu dunkel – je intensiver das Blau, umso mehr. Man sieht dies auch im HSB-Farbkreis (1. Abbildung).
Bewertung und Ausblick
Das HSB-Modell gaukelt dem Anwender mit Farbton/Helligkeit/Sättigung eine Intuitivität vor, die es nur unzureichend einhält. Dies ist wenig erstaunlich, denn HSB basiert auf RGB und damit auf einer rein technischen Definition von Farbe. Ebenso intuitive Aussagen, aber weitaus bessere, empfindungsgerechtere Ergebnisse liefern HLC-Koordinaten (Hue, Lightness, Chroma). HLC-Werte sind eine andere Darstellungsweise von L*a*b*-Farben, und CIEL*a*b ist wahrnehmungsbezogenes Modell, das Augeneigenschaften einbezieht.
Wie wenig dieser gravierende Unterschied selbst in Software-Fachkreisen geläufig ist, erkennt man an der Verbreitung des HSB-Modells in den weltweit führenden Werkzeugen des Grafik-Designers. In Software, die CIEL*a*b* Farben verarbeiten kann wäre es ein leichtes, HLC-Farbeingaben zu realisieren.
Es ist zu hoffen, dass der Mangel eines Tages bei den großen Herstellern erkannt wird und sich dann HLC gegenüber HSB durchsetzen wird. Bis dahin gibt es außer unserem DIGITALEN FARBATLAS keine bekannte Software, deren Farbauswahl über HLC funktioniert und damit ebenso intuitiv wie berechenbar wie empfindungsgerecht ist.