Farbkreis nach Johannes Itten
Dieses Schema wurde von Johannes Itten 1961 im Buch "Kunst der Farbe" veröffentlicht. Der Farbkreis verdeutlicht in plastischer Weise das Wesen der Farbmischung. Er findet heute weite Verbreitung zu Unterrichtszwecken.
Leicht verständlich, gebräuchlich - aber nicht unumstritten: der Farbkreis nach Johannes Itten.
Die Firma Lamy gibt einen Tuschkasten mit den 12 Itten-Farben und einem Begleitpapier zum Ittenkreis für den Schulunterricht heraus.
Konzeption
Johannes Itten war Lehrer am Bauhaus. Nach wegweisenden Arbeiten zu Kontrasten wollte er mit dem Farbkreis Malern und Farbanwendern praktische Handreichungen zur Farbgestaltung geben. Der Kreis soll die Beziehungen bei der Farbmischung verdeutlichen und sinnvolle Farbkombinationen aufzeigen. Ins Zentrum stellt Itten die sogenannten "Primärfarben" Blau, Rot und Gelb, durch deren Mischung die sog. "Sekundärfarben" Violett, Orange und Grün entstehen. Primär- und Sekundärfarben lassen sich wiederum zu den "Tertiärfarben" Gelborange, Rotorange, Rotviolett, Blauviolett, Blaugrün, Gelbgrün anmischen. Itten bezeichnet Primärfarben, Sekundärfarben und Tertiärfarben auch als Farben erster, zweiter und dritter Ordnung.
Man könnte den Farbkreis durch Mischung der Primär- und Sekundärfarben mit den Tertiärfarben in 48 Teile aufteilen und durch immer weitere Mischung ein sehr feines Netz an Grundfarben schaffen. Dies wird von Itten aber abgelehnt, da dann die Farbunterschiede zu gering werden.
Aus der kreisförmigen Anordnung lassen sich Gegenfarben (Komplementärfarben) als diejenigen Farben auf der gegenüber liegenden Seite ableiten.
Handreichungen zur Farbgestaltung
Die geometrischen Grundformen Dreieck, Rechteck, Quadrat führen bei geeigneter Flächenaufteilung zu harmonisch empfundener Farbkomposition.
Nach Itten lassen sich aus dem 12teiligen Farbkreis Basisschemata der Farbkomposition ableiten wie die sieben Farbontraste und die Farbakkordik (Zweiklänge, Dreiklänge, Vierklänge).
Soweit die Theorie ...
... in der Praxis stellt sich heraus, dass die Mischung der genannten Basisfarben, auch wenn diese nach Itten-Anleitung erstellt wurden, nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Als Basisfarben sind eher Cyan, Magenta, Gelb geeignet, hiermit lassen sich weitaus besser die anderen Farbtöne mischen, was ja z.B. der Vierfarbendruck eindrucksvoll zeigt.
Ein weiteres Gegenargument ist auch die Tatsache, dass die Mischung der gegenüberliegenden Farben keinesfalls Grau ergibt.
"Die von Itten gemachten Aussagen sind heute überholt", schreibt Harald Küppers und wird noch deutlicher: "Leider wird nach diesem Buch noch heute in vielen Hochschulen, Fachschulen, Gewerbeschulen und allgemeinbildenden Schulen unterrichtet." Küppers stellt Itten seine Rhomboeder-Farbtheorie gegenüber.
Zur Ehrenrettung Ittens sei gesagt, dass er in der Tradition eines Kunstschaffenden keinen Anspruch auf naturwissenschaftliche Exaktheit erhoben hat, und dass das System noch immer wichtige Hinweise zur Farbmischung und Komposition liefert. Farbe ist und bleibt letztlich ein Gefühlserlebnis in uns – keine naturwissenschaftlich exakte Größe – Ittens künstlerisch-psychologischer Ansatz stellt aufgrund seiner Einfachheit gerade in unteren Klassen noch immer ein geeignetes Instrument für den Schulunterricht dar.