Sättigungsvariation
In dieser Übung ordnen Sie Farben nach steigender Farbsättigung (Chroma=5...55). Ausgangsfarbe (H) und Helligkeit (L) sind bei allen Farben gleich.
Von leicht getöntem Grau zu Orange in 15 Stufen.
Die Farbsättigung
Als Farb-Anfänger verwechselt man gern die Begriffe Helligkeit und Sättigung. Sie besagen jedoch grundverschiedenes. Die Helligkeit gibt die Menge des Lichts an, das eine Farbe in unser Auge einfallen lässt. Die Sättigung ist die Stärke einer Farbe oder ihre Intensität. Diese hat nicht mit der Menge des einfallenden Lichts zu tun, sondern mit der Unterschiedlichtkeit der einfallenden Strahlung.
Alle Farben der Übung sehen auf einem Schwarz-Weiß-Foto gleich aus, denn ihre Helligkeit ist ja identisch.
Farben ohne Sättigung (Sättigung=0) sind Schwarz, Grau und Weiß.
Die maximale Sättigung wird je nach Farbe bei unterschiedlichen Helligkeiten erreicht. Dies ist logisch, wenn man sich vor Augen führt, dass z.B. Gelb eine weitaus hellere Farbe ist als Blau. Gelb wird von zwei Dritteln des Spektrums erzeugt, Blau von einem Drittel (Küppers spricht daher von "Eindrittel-" und "Zweidrittelfarben").
Farben maximaler Sättigung sind z.B. die Regenbogenfarben oder Licht, das durch ein Glaskristall gebrochen und an eine weiße Wand geworfen wird. Sie können auch jetzt, direkt am Arbeitsplatz, schnell reine Spektralfarben erzeugen: Nehmen Sie eine CD-ROM zur Hand nehmen und halten Sie sie schräg ins Licht. Die darauf sichtbaren bunten Farben sind reine Spektralfarben – die instensivsten Farben, die es gibt!
CIEL*a*b* Chroma
Je weiter eine Farbe im CIEL*a*b*-Modell von der Grauachse (a=0 und b=0) entfernt ist, umso intensiver ist sie. Man kann diesen Abstand leicht aus a* und b* berechnen, das Ergebnis wird üblicherweise mit C (Chroma) bezeichnet. Sonderfälle:
- Falls a*=0 ist, liegt die Farbe auf der b*-Achse, der b*-Wert gibt Chroma an (b*=C)
- Falls b*=0 ist, liegt die Farbe auf der a*-Achse, der a*-Wert gibt Chroma an (a*=C)
Während das CIEL*a*b*-Modell a*;b*-Werte bis 164 für sichtbare Farben ausweist, liegt der maximale a*;b*-Wert in Photoshop bei 128. Trotz CIEL*a*b* können in Photoshop also nicht alle Farben erzeugt werden. Dies ist nicht weiter gravierend – bei der praktischen Arbeit des Grafikers sind Spektralfarben ohne Belang – nicht einmal maximale Bildschirmfarben kommen ihnen nahe.
Der Screenshot zeigt die äußere Hülle des CIEL*a*b*-Farbraums von oben. Je weiter außen eine Farbe, umso höher ihre Sättigung. Es sind die reinen Spektralfarben. Diese können in der Abbildung nicht korrekt dargestellt werden, sondern nur über jeweils maximal mögliche RGB-Werte. Die maximale Sättigung ist sehr unterschiedlich und reicht bis C=164 bei Grün.
Ein reales Farbsystem wie RAL CLASSIC füllt nur einen kleinen Bereich des CIEL*a*b*-Farbraums aus, wobei die Leuchtfarben den reinen Spektralfarben relativ nahekommen (Leuchtgelb C=122, Leuchtorange C=120).
Drehung des CIEL*a*b*-Farbraums im Uhrzeigersinn um jeweils 90°. Der unregelmäßige Aufbau wird deutlich, je nach Farb- und Helligkeitsbereich ist die maximale Sättigung woanders.
Ist die CIEL*a*b* Sättigung korrekt?
Aus obigen Bildern gehen auch Schwächen des CIEL*a*b*-Modells hervor. Es ist nicht anzunehmen, dass die Farbwahrnehmung exakt nach CIEL*a*b* in uns stattfindet – immerhin funktionieren wir nicht nach Formeln, und seien diese auch recht kompliziert. Es wäre ein ebenso interessantes wie wichtiges Forschungsprojekt, die mangelnd mit der Wahrnehmung übereinstimmenden Stellen zu finden und zu korrigieren. Hier als Beispiel eine krasse Schwäche: die Spitze im Rot-Violettbereich maximaler Sättigung (man sieht sie auf dem 3. Bild links unten) bleibt in unserer Empfindung ohne Entsprechung.
Gleichwohl muss das CIEL*a*b*-Modell als eine gute Annäherung an die Wahrnehmung und als ihr aktuell bestes rechenbares Modell gelten. Dies zeigen der Erfolg (ohne dass ein großer Hersteller oder viel Marketing dahinterstünde), die Konzeption (unter Einbeziehung von Licht und Wahrnehmungseigenschaften) und die weitgehend realistischen, wahrnehmungsgerechten Ergebnisse.