RAL DESIGN
Die RAL DESIGN System
Während die RAL CLASSIC Farben auch 90 Jahre nach ihrer Einführung sehr gebräuchlich sind, ist das zweite, größere Farbsystem des RAL noch immer recht unbekannt. Dies völlig zu Unrecht, denn das RAL DESIGN System bietet mit 1688 Farbtönen nicht nur eine große Farbenvielfalt, sondern es besticht vor allem durch den überzeugenden systematischen Aufbau. Der Vorteil ist nicht nur theoretischer Natur, sondern eröffnet der Farbgestaltung neue, erweiterte, einfach zu handhabende Möglichkeiten. Das RAL DESIGN System wurde 1993 unter der Leitung von Dr. Ludwig Gall, dem damaligen Leiter des Farblabors bei der BASF, entwickelt.
Die Anzahl der Farben
Längst reichen in der Praxis die 213 Farbtöne der RAL CLASSIC Farbsammlung nicht mehr aus. Hersteller-Farbsysteme wie z.B. Sikkens 3031, Caparol 3D, Brillux Scala, Pantone, NCS enthalten ca. 1000-2000 Farbtöne. Das RAL DESIGN System enthält aktuell 1625 Farbtöne. Dies sind mehr als bei Pantone (1025), Caparol 3D (1186) und Brillux Scala (1306) und etwas weniger als bei NCS (1950). Man erreicht mit der hohen Anzahl an Farben eine gute Variationsbreite, und obwohl die in den RAL DESIGN Fächern enthaltenen Farbmuster ausreichend groß sind, bleiben die Farbfächer trotzdem handlich.

Die RAL DESIGN Fächerbox
Die CIELAB-Definition der Farben
RAL DESIGN-Farben sind als CIELAB-Koordinaten definiert. Anstatt, wie sonst üblich, ausrezeptierte Farbreihen im Nachhinein zu vermessen, wurden die RAL DESIGN-Farben im Vorfeld als CIE-HLC-Werte festgelegt, um hieraus dann die Rezepturen zu ermitteln.
Die rezeptierten CIELAB-Farben wurden aufgestrichen, überprüft und gegebenfalls nachrezeptiert. Dieser Prozess wurde bei manchen Farbtönen bis zu achtmal wiederholt, damit Soll- und Ist-Farbe um nicht mehr als Delta E=0,7 voneinander abweichen.

Der RAL DESIGN Farbkreis ist der CIELAB-Farbkreis. Die RAL DESIGN-Grundfarben (Hue)werden
im 10°-Abstand abgegriffen, bei Orange-Gelb im 5°-Abstand.
Anschauliche und eindeutige Farbnamen
Die RAL DESIGN Farbnamen sind sehr verständlich. Sie sind 7-stellig und folgen dem Schema „RAL HHH LL CC“). Hierbei ist...
H (Hue): der Grundfarbton
Der Winkel im CIELAB-Farbkreis, also ein Wert zwischen 010 und 360 Grad, normiert auf drei Stellen. 000 steht für die grauen Farben.
L (Lightness): die CIELAB-Helligkeit
Ein Wert zwischen 0 (Schwarz) und 100 (Weiß), der als prozentuale Helligkeit aufgefasst werden kann.
C (Chroma): die Sättigung oder Chromazität
Dies ist die Intensität einer Farbe mit Werten von 0 (Grau der betr. Helligkeit) bis ca. 60 oder 90. Der Maximalwert fällt je nach Farbbereich, Helligkeit und verwendeten Pigmenten unterschiedlich aus.
Ein Beispiel: Bei RAL 240 80 20 handelt es sich um die Grundfarbe Blau (H=240) in der hohen Helligkeit 80 und der geringen Sättigung von 20. Es ist also ein Pastellblau. Wenn man sich ein wenig mit dem Aufbau des Farbkreises vertraut macht, lernt man den Umgang mit den RAL-DESIGN-Farben schnell.
Ein weiterer Vorteil der HLC-Notierung ist, dass eine RAL-DESIGN-Farbe schon über ihren Farbnamen eindeutig reproduzierbar ist, sei es als Dispersion, Acrylfarbe, für Monitordarstellung oder im Druck. Das CIELAB-Farbsystem steht weltweit in all diesen Bereichen als Fertigungsstandard zur Verfügung.
So ist auch das Versenden von RAL DESIGN Farbmustern nicht mehr unbedingt notwendig. Die Angabe „RAL 120 50 70“ reicht z.B. einem chinesischen Produzenten völlig aus, um das Produkt in diesem exakt definierten kräftigen Orange zu fertigen.
Systematisch angeordnete Farben
Das RAL DESIGN System teilt den Hue-Farbkreis zunächst in 36 Grundfarben für jede 10°-Stufe auf. Da der Gelb- und Orangebereich bei CIELAB gegenüber unserer Empfindung etwas unterrepräsentiert ist, hat man drei Zwischenseiten (Hue=75, 85, 95) eingefügt.
Jede Grundfarbe wird nun in gleichmäßigen Chroma- und Lightness-Schritten von Delta E=10 abgewandelt. Da gelb-rote, ungesättigte Farben in der Fassadengestaltung am gebräuchlichsten sind, hat man den inneren, ungesättigten Bereich in kleineren Sättigungsschritten von Delta E=5 variiert.

Eine Seite aus dem RAL DESIGN Farbatlas. Aus dem gleichartigen
Delta E zwischen den Farben resultiert der gleichmäßige und übersichtliche Aufbau.
Insgesamt enthält das RAL DESIGN System auf diese Weise 1688 Farbtöne, die den CIELAB-Farbraum sehr regelmäßig abdecken. Für die praktische Farbenplanung bedeutet dies, dass sich zu jeder Farbe in jeder Richtung Nachbarfarben und Stufen finden lassen, die höchstens Delta E=10 entfernt sind.
Entsprechende Berechnungen zur Farbenplanung sind mit dem RAL DESIGN System sehr einfach, wie folgende Beispiele zeigen:
Beispiel HelligkeitsabstufungZu RAL 240 80 20 (dem o.g. Pastellblau) sollen dunklere Ergänzungen gefunden werden. RAL 240 60 20, RAL 240 40 20 und RAL 240 20 20 sind drei Abwandlungen mit Helligkeit 60, 40 und 20. Die Lösung ist nicht nur eine mathematisch gleichmäßige Abstufung, sondern auch eine visuelle, denn die Entsprechung mit unserem Empfinden ist in der Definition des CIELAB-Farbraums weitestgehend realisiert. |
Helligkeitsvariation der Farbe RAL 240 80 20 |
Beispiel KomplementärkontrastZu RAL 280 80 20 sollen drei Gegenfarben gleicher Helligkeit und Sättigung gefunden werden. Die vier Farben greifen den Farbkreis (360°) im 90-Grad-Abstand (360°/4) ab. Das Ergebnis ist damit RAL 190 80 20, RAL 100 80 20 und RAL 010 80 20. Dass dieser Komplementärkontrast tatsächlich harmonisch ist, liegt wiederum am empfindungsgerechten CIELAB-Farbystem. |
Auch ein Gegenfarbkontrast zu kann mit RAL DESIGN leicht ermittelt werden. |
Beispiel FarbübergangWir suchen drei Zwischenfarben zwischen RAL 240 80 20 und RAL 160 40 40. Die Unterschiede in H, L und C sind entsprechend aufzuteilen. Es ergeben sich: RAL 220 70 25, RAL 200 60 30, RAL 180 50 35 als Zwischenfarben. |
Ein harmonischer Farbübergang – ganz einfach mit RAL DESIGN. |
RAL DESIGN Farben als CIELAB-Repräsentanten
Man könnte anmerken, dass die obigen Beispiele geschickt so ausgewählt wurden, dass stets real vorhandene RAL DESIGN Farben dabei herauskommen. Wären z.B. bei der Helligkeitsabstufung nur zwei Zwischenfarben verlangt, so würden „krumme“ L-Werte als Abstufung entstehen, die im RAL DESIGN System nicht enthalten sind.
Hierzu ist zu sagen, dass die RAL DESIGN Farben lediglich als ausgewählte HLC-Repräsentanten des CIELAB Farbraums zu verstehen sind. Natürlich definiert auch jeder Wert zwischen den RAL DESIGN Farben die entsprechende Farbe eindeutig. Auch Zwischenwerte mit Nachkommastellen stellen kein grundsätzliches Problem dar. Es ist nur zu beachten, dass Farben wie „RAL 213,5 77 23,7“ vom RAL nicht als Original-Lackmuster herausgegeben werden.
Computeranwendungen
Farbgestaltung findet heute fast immer am Computer statt. Das RAL DESIGN System ist hierfür geradezu prädestiniert, denn
mit den Farbnamen lässt sich rechnen. Nicht nur die obigen einfachen Beispiele sind denkbar, sondern auch kompliziertere Aufgaben, wie z.B. die Grenzen des Farbraums, Farbkörper oder dynamische, nicht-lineare Farbentwicklungen
das ebenfalls auf CIELAB basierende „Colormanagement“ unter Windows und Macintosh sorgt für eine korrekte Wiedergabe der RAL DESIGN Farben auf Monitoren und Druckern.
viele Gestaltungsprogramme lassen die direkte Eingabe von RAL DESIGN Farben (als HLC- oder Lab-Farbwerte) zu.
mit der RAL DIGITAL Software stellt der RAL die RAL DESIGN Farben zur direkten Anwendung in den wichtigsten Gestaltungsprogrammen zur Verfügung, von CorelDRAW bis 3D Studio, von Photoshop bis Illustrator. Insgesamt werden ca. 30 Softwareprogramme unterstützt.
Fazit
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Darstellung aller Farben des Systems im CIELAB-Farbraum mit Blickrichtung von oben.
Der strukturierte Aufbau des RAL DESIGN Systems gegenüber anderen (hier: NCS) wird gut deutlich.
Informationen zum CIELAB Farbmodell
Der CIELAB FarbraumIn der industriellen Praxis, bei Farbprüfung und -rezeptur, haben sich heute CIELAB-Farbwerte durchgesetzt. Diese Definition von 1976 ist eine Weiterentwicklung der „Normfarbtafel“ der Commission Internationale de l’Eclairage (CIE), die 1931 vorgestellt wurde und unsere Farbwahrnehmung in mathematische, berechenbare Form bringt (Normfarbtafel, auch „Schuhsohle“ genannt). Bei CIELAB wird die Normfarbtafel in die Form eines (Farb-)Kreises gebracht. Der Inhalt der Schuhsohle wird über Formeln so verzerrt, dass der CIELAB-Farbraum noch besser unseren Empfindungen entspricht. So spiegeln sich gleichwertige Farbunterschiede in etwa in gleichweit entfernten CIELAB-Farbwerten wider, egal in welchem Farbbereich wir uns bewegen. CIELAB und ComputerDas CIELAB-Farbmodell hat mittlerweile Eingang in Betriebssysteme und Anwendersoftware gefunden. So lassen sich CIELAB-Farbwerte in Programmen wie Photoshop, CorelDRAW u.a. direkt eingeben und via Colormanagement auch farbrichtig an Druckern, Plottern und Monitoren ausgeben. Lab- und HLC-KoordinatenDie Farbwerte L, a und b sind die rechtwinkligen Koordinaten im CIELAB-Farbraum. HLC geht durch eine einfache Umrechnung (kartesische Koordinaten zu Polarkoordinaten) direkt aus den CIE-Lab-Werten hervor. Im Gegensatz zu Lab-Koordinaten sind HLC-Werte anschaulich vorstellbar als Grundfarbton, Helligkeit und Sättigung der betreffenden Farbe. Delta EDas ebenfalls sehr gebräuchliche Maß Delta E ist der Abstand zweier Farben im CIELAB-Farbraum. Je kleiner Delta E, umso besser stimmen zwei Farben überein. Ein Delta E von unter 1 beinhaltet einen kaum erkennbaren Farbunterschied, ein Delta E von 5 ist deutlich erkennbar, aber die beiden Farben sind noch sehr ähnlich. |
Die CIE Normfarbtafel.
Der mit Lackpigmenten darstellbare Bereich des CIELAB Farbraums. |
